Alexandra Kruse

Es ist ein kalter Wintertag als ich mit meinem Hund Whiskey das überfüllte kleine Café auf der Suche nach einem ruhigen Eckplatz betrete. Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch. Lautes Stimmgewirr herrscht im Lokal. Ich setze mich, als ich endlich einen freien Tisch ergattert habe, und bestelle einen Tee, während Whiskey einen der Nachbarhunde beäugt. Wenig später kommt die 47-jährige Alexandra Kruse, mit der ich mich hier verabredet habe. Alexandra ist eine selbstbewusste, zielgerichtete Frau, die mitten im Leben steht und die weiß, was sie will. Sie ist Mutter von drei Kindern, verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Eigentlich ein ganz „normales“ Leben, so erzählt sie. Aber sie hat mehr mit ihrem Leben vor, als einfach nur „glücklich“ zu sein und das Glück im Stillen mit ihrer Familie zu genießen. Sie möchte etwas von dem Glück, das ihr in ihrem Leben widerfahren ist, zurückgeben an Menschen, die es weniger gut haben. Sie möchte Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten, ihnen zuhören und für sie da sein. Alexandra ist eine von etwa 1500 SterbebegleiterInnen in Berlin, die  sich ehrenamtlich in ambulanten Hospizdiensten engagieren[1].

Was genau sie tun, wenn sie einen Menschen auf seinem letzten Weg begleiten, hängt dabei allein von dessen Bedürfnissen ab. Und die Nachfrage nach Begleitung nimmt von Jahr zu Jahr zu – auch, weil traditionelle Familienstrukturen auseinanderbrechen und es immer mehr Alleinstehende gibt, vor allem im Seniorenalter. Laut Statistischem Bundesamt gab es in Deutschland  1,7 Millionen Menschen im Jahr 2011[2], die allein, ohne Partner und ohne Kinder lebten. Mehr als die Hälfte davon waren Frauen.

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[1] Die Zahl beruht auf Angaben des Hospiz- und PalliativVerbands Berlin e.V.

[2] Statistisches Bundesamt (2012), Alleinlebende in Deutschland

Patricia Winheim

An diesem Donnerstagabend spreche ich via Skype mit der 47-jährigen Patricia Winheim, einer ausgesprochen sympa-thischen Frau mit warmer Stimme. Gleich zu Beginn unseres Gespräches entdecken wir eine gemeinsame Leidenschaft: Die Liebe zu Tieren, und ganz besonders die für den besten Freund des Menschen, den Hund. Patricia, die Heilpraktikerin für Psychotherapie, zeigt mir ein Foto ihres verstorbenen Schäferhundes „Lämm-chen“, ein wunderschönes schneeweißes Tier mit kuscheligem Fell und schwarzen Knopfaugen. Eine Geste, die mich sehr berührt. Im Verlauf unseres Interviews erlebe ich eine lebensbejahende kraftvolle, aber auch sehr einfühlsame Frau, die sich – so erzählt sie – inzwischen auch traut, zu ihrer emotionalen Seite zu stehen. Lange Zeit hatte sie diese verdrängt und überspielt. Wir sprechen über ihren langen Abschied von ihrer Jugendliebe, die sich mit nur 21 Jahren infolge einer Depression das Leben nahm, und darüber, warum man Trauer nicht behandeln muss.

 

Patricia ist ehrenamtliche Trauer-begleiterin – eine Tätigkeit, die zumeist von Frauen ausgeübt wird. Die meisten sind zwischen 40 und 65 Jahre alt, und unter ihnen finden sich Pädagogen, Heilpädagogen, Religionspädagogen, Psychologen, Sozialarbeiter, Sozial-pädagogen, Theologen, Psychothera-peuten, Erzieher und Heilpraktiker[1]. Wie Patricia Winheim begleiten sie Menschen, die sich von ihren Lieben für immer – oder zumindest für dieses irdische Leben - verabschieden. Natürlich geht es dabei um Trauer, um Abschied, um Tränen, Verzweiflung, Liebe und Schmerz und manchmal vielleicht auch um Wut. Aber es geht auch um Aufbruch - darum, dass Angehörige die Kraft finden, sich neu auf das Leben einzulassen. Patricia Winheims Einstellung, den Menschen bedingungslos so anzunehmen wie er ist – mit all seinen Stärken, aber auch mit seinen Schwächen - seine Ansichten und sein Erleben zu akzeptieren ohne zu werten, und ihre Liebe zu den Menschen, die ich zwischen all ihren Worten gespürt habe, haben mich demütig gemacht und sehr bewegt.

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[1] Die Angaben beruhen aus Auskünften des Bundesverbandes Trauerbegleitung e. V.

 

 

Wera Röttgering

Freitag, 13. März. Auf dieses Gespräch habe ich mich ganz besonders gefreut und muss gestehen, dass ich etwas aufgeregt war, als ich dann endlich mit Wera Röttgering telefonieren konnte und ihre warme, kraftvolle Stimme hörte. Was für eine großartige Frau! Nicht nur, dass sie den Verein „Herzenswünsche“ aufgebaut hat, sie kommt außerdem ausgesprochen sympathisch und bodenständig 'rüber. Ihr Optimismus und ihr Enthusiasmus sind ansteckend. Lange habe ich nicht mehr so herzlich gelacht wie mit Wera Röttgering. Sie ist eine Frau, die auch mit 70 Jahren voller Tatendrang und Energie ist. Die Floskel „Geht nicht“ gibt es für sie nicht. Vielmehr, so erzählt sie mir, gibt es immer einen Weg. Selbst dann, wenn es der Herzenswunsch eines Kindes ist, zum Mond zu fliegen – und etwas unmöglich erscheint, macht sie - gemeinsam mit ihrem Team - etwas Mögliches, etwas Wundervolles und Einzigartiges daraus. Wera Röttgering ist eine starke Frau und eine brillante Geschichtenerzählerin, der man gern stundenlang zu hören möchte. So viele wundervolle Dinge hat sie in den Jahren mit ihrem Verein "Herzenswünsche" und den Kindern erlebt, denen sie ihre Wünsche erfüllt hat - ganz egal, ob sich ein Junge wünschte, einmal den Orcawal aus dem Film "Free Willy" hautnah zu erleben oder es der Wunsch eines anderen Jungen war, einmal in einem Maybach zu fahren. Es sind Erlebnisse, die das Herz erwärmen, auch wenn sie oft kein Happy End fanden. Manchmal muss ich tief durchatmen, gerade als sie die Geschichte von dem Jungen und dem Orca "Willy" erzählt, der in Wirklichkeit "Keiko" hieß. Der Junge starb nur zwei Monate nach seiner Begegnung mit Keiko. Als der Wal wenig später endlich in die Freiheit entlassen wurde, starb auch er nur wenige Monate später an einer Lungenentzündung vor der Küste Norwegens. Auch Wera Röttgering hat diese Geschichte sehr berührt.

Was Wera Röttgering mit ihrem Verein „Herzenswünsche“ auf die Beine gestellt hat, ist mehr als beeindruckend. Doch trotz des Erfolges und dem Medienrummel, der um ihre Person entstand, ist sie doch eine ausgesprochen bescheidene Frau geblieben. Eine Frau, die nichts mehr verachtet als Menschen, die eine Aufgabe nur deshalb übernehmen, um sich selbst zu profilieren und ihre eigenen Eitelkeiten zu befriedigen. "Solche Menschen haben in meinem Team nichts verloren", stellte sie energisch klar. Heute führt Wera Röttgering ein Team wundervoller Mitarbeiter - 70 ehrenamtliche und drei hauptamtliche arbeiten für den Verein - doch sie gesteht, dass es lange gedauert hat, bis sie die Mitarbeiter gefunden hatte, auf die sie sich blind verlassen kann.

Wera Röttgering lebt in Münster, hat zwei Kinder und fünf Enkelkinder und ist seit 49 Jahren verheiratet.

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