Silvia Zesch

Januar 2015. Heute spreche ich mit der Leiterin der Krisenintervention des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der 59-jährigen Silvia Zesch. Im Hauptberuf ist sie Lehrerin für Geografie und Mathematik! Als ich ihr gestehe, dass Mathematik für mich als Schülerin ein absoluter Albtraum war, muss sie schmunzeln und sagt, dass ihr das nur all zu bekannt vorkommt. Silvia liebt ihren Beruf, und das, obwohl es jeden Tag laut ist in der Schule, immer gibt es viel Lärm und häufig auch Stress, so erzählt sie. Deshalb hat sie in ihrer Freizeit nach einem Ausgleich gesucht und vielmehr als nur das gefunden: Sie hat etwas gefunden, wofür sie brennt, ihre wahre Bestimmung, ihre Leidenschaft: Silvia Zesch hilft Menschen in der ersten Zeit nach traumatischen Ereignissen. Sie steht Menschen in einem der schwierigsten Lebensabschnitte bei, nämlich dann, wenn geliebte Angehörige durch einen Unfall aus dem Leben gerissen werden, unterstützt Eltern nach dem plötzlichen Tod eines Kindes oder hilft Einsatzkräften, die bei einer versuchten Reanimation einen Patienten verloren haben. Silvia Zesch ist eine kraftvolle, zupackende Frau, eine Frau, die es genießt gebraucht zu werden. Eigentlich, so sagen Kollegen über sie, müssten ihre Tage 26 Stunden haben – so intensiv und vollgepackt wie sie sind. Silvia Zesch ist immer dann da, wenn sie gebraucht und gerufen wird. Über 40 Jahre rettet sie nun schon Leben, zunächst beim Wasserrettungsdienst, heute leistet sie Erste Hilfe für Seele. Eine große Unterstützung und Kraftquelle dabei ist ihre eigene Familie – Silvia ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder, wie sie stolz erzählt.

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Franz Richter

21. Februar: An diesem Wochenende spreche ich mit dem 27-jährigen Erzieher Franz Richter. Er erzählt mir, dass er an einer Berliner Grundschule arbeitet und diese Arbeit mit Kindern wirklich gern macht. Dennoch blieb immer etwas, das ihn nicht ausfüllte. So suchte er nach einer sinnvollen ehrenamtlichen Tätigkeit und stieß schließlich auf die "AG Haft" beim Verein "Mann-O-Meter e.V.", einem schwulen Informations- und Beratungszentrum in Berlin. Seit fünf Jahren betreut er jetzt als Justizvollzugshelfer gemeinsam mit acht weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern unter Führung des Psychologen Marcus Behrens schwule und bisexuelle Inhaftierte in den Berliner Vollzugsanstalten. Dabei steht vor allem die Prävention möglicher HIV-Infektionen sowie die Information bei bestehenden Infektionen im Vordergrund. Zudem helfen sie Inhaftierten bei Problemen, die durch die Haft auftreten und unterstützen sie in der Übergangszeit nach dem Knast bei der Wohnungs- und Jobsuche. Im Verlauf unseres Gespräches lerne ich einen sehr offenen und reflektierten, aber auch selbstbestimmten jungen Mann kennen, der Inhaftierten klar seine Grenzen aufzeigt. Mit Franz Richter spreche ich über Gefangene, Manipulation und Lügen, dass Kondome auch in der Haft wichtig sind und darüber, was sich aus seiner Sicht in den JVAs verändern sollte.

 

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Hansi Jochmann

Es ist ein traumhaft schöner, sonniger Frühlingsmorgen. An diesem Montag im März bin ich mit der wunderbaren Schauspielerin und Synchronsprecherin Hansi Jochmann verabredet. Im traditionellen Café Einstein in der Kurfürstenstraße herrscht auch zu dieser frühen Stunde schon hektischer Betrieb. Wie immer sind viele Künstler da, am Nebentisch spricht ein Regisseur mit der Drehbuchautorin über einen neuen Film, an einem anderen Tisch diskutieren Menschen über ein Buch. Überall ertönt lautes Stimmengewirr. Man spürt die Kraft, die Kreativität und die Energie, die in diesen Räumen schwebt. Ich suche mir einen Platz und bestelle mir einen grünen Tee, und dann kommt sie auch schon. Hansi Jochmann ist eine ausgesprochen sympathische und natürliche Frau, und ich finde, sie sieht besser aus denn je: Ihre wunderschönen türkisfarbenen Augen strahlen in ihrem von roten, lockigen Haaren umrahmten Gesicht, dem man das wahre Alter einfach nicht ansieht. Obwohl sie schon seit 56 Jahren als Schauspielerin arbeitet, ist sie trotz ihres Erfolges bodenständig geblieben. Wir sprechen über den Schönheitswahn im Schauspielbusiness und den Zwang, immer jung aussehen zu müssen. Viele – nicht nur weibliche - Schauspieler nehmen dafür mehrere Schönheits-OPs, Liftings und Botox-Behandlungen in Kauf. Als sie mit ihrer unverwechselbaren klaren, kühlen und kraftvollen Stimme darüber spricht, kommt mir sofort der Vergleich mit Oscar Wildes Romanfigur „Dorian Gray“ in den Sinn, den sein Schönheits- und Jugendwahn am Ende in den Wahnsinn trieben und ins Verderben stürzten. Hansi Jochmann hat sich dem Diktat des Ewig-Jung-Sein-Müssens nie gebeugt.

Eigentlich sollte es an diesem Morgen nur ein kurzes Interview werden, doch am Ende vergessen wir die Zeit und sprechen über die schönen Dinge des Lebens – die Kunst, die Musik, die Literatur und das Reisen, den Sinn des Lebens und warum es so viel Freude macht, anderen Menschen zu helfen. Hansi Jochmann weiß, was wirklich zählt im Leben, sie weiß, wie wertvoll die verbleibende Zeit ist und wie beglückend es ist, sich für andere Menschen einzusetzen. Und sie möchte gern etwas von dieser Erfahrung weitergeben.

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